BRANDNÄCHTE 1996

Die Komposition Brandnächtefür Querflöte(n), Oboe, Klarinette(n), Posaune/Euphonium, Trompete/Flügelhorn, Klavier/Synthesizer, zwei Schlagzeuger und Tonband, die im Juni 1996 als Auftragskomposition für das Internationale Musikinstitut Darmstadt (Solf Schäfer) im Europäischen Satellitenzentrum EUMETSAT uraufgeführt wurde, befaßt sich mit Kriegsereignissen und musikalisiert in abstrahierter Form, stellvertretend für abertausend andere Kriegskatastrophen, den Luftangriff auf Darmstadt vom 11. auf den 12. September 1944, bei dem 12.300 Menschen binnen weniger Stunden ihr Leben verloren, verbrannt, erstickt, zerfetzt.
Ob Hiroshima, Stalingrad, London oder Coventry, ob Afghanistan oder Kuwait, ob Tschetschenien, Bosnien oder Libanon, ob damals oder heute. Der Komponist verspürt den Drang in sich, diese unvorstellbaren, immer wiederkehrnden Apokalypsen in seiner Musik zu thematisieren, um den Zuhörer aufzurütteln und zu sensilibisieren.
Das Werk dauert ca. 36 Minuten und ist in sieben Abschnitte unterteilt: Sirenen, Brummen, Bomben, Feuersturm, Einzelschicksale, Korrekturangriff und Opfermeldungen. S.Stockhausen löst sich in diesem Stück von seriellen Kompositionstechniken, arbeitet viel mit Reihen und deren Permutationsmöglichkeiten, integriert eigene Texte und Zitate, verwendet O-Töne aus dem 2.Weltkrieg, der aktuellen Politik und der Geschichte des Krieges in diesem Jahrhundert.

Die Uraufführung wurde live über ISDN-Leitung nach Graz übertragen und traf dort auf eine von Medienkünstler Richard Kriesche und Simon Stockhausen präparierte, interaktive "Klangwand" deren Klänge widerum zurück nach Darmstadt übertragen wurden und sich dort in den Gesamtklang der Brandnächte integrierten. Außerdem wurde der Klavierpart aus dem 5. Abschnitt, während dem sich ein Teil der Musiker frei im Raum bewegte, gegen Ende der Komposition in Graz von einem Pianisten wiederholt und gleichfalls nach Darmstadt übertragen.

Das Uraufführung wurde gespielt von:
Cathy Miliken - Oboe/Stimme
Dietmar Wiesner - Querflöten/Stimme
Ian Stuart - Klarinetten/Sopransaxophon/Stimme
Michael Svoboda - Posaune/Euphonium/Stimme
Marco Blaauw - Trompete/Flügelhorn/Stimme
Hermann Kretzschmar - Klavier/Synthesizer/Stimmme
Adam Weisman - Perkussion/Mallets/Stimme
Rainer Römer - Drumset/elektronisches Schlagzeug/Stimme
Simon Stockhausen - Dirigat
Michael Häck - Klangregie
Pianist in Graz - Sandy Lopicic


Auszüge aus dem Live-Mitschnitt der Uraufführung



Einzelsolo aus dem 5. Abschnitt:Solo aus Brandnächte für Oboe, gespielt von Cathy Miliken live in Melbourne 1996